SOP-RD-006 Freigegeben

Polytrauma und kritische Blutung

Versorgung schwer verletzter Patienten nach cABCDE – kritische Blutung zuerst, kurze Zeit vor Ort, Transport ins Traumazentrum.

Kategorie
Trauma
Zielgruppe
RS, NotSan, NA
Version
1.0
Stand
Verantwortlich
Ausbildungsleitung
Inhalt dieser SOP
  1. Ziel und Geltungsbereich
  2. Lage und Eigenschutz
  3. cABCDE
  4. Immobilisation
  5. Zeitmanagement und Zielklinik

Ziel und Geltungsbereich

Schwer verletzte Patienten sterben vor allem an Blutverlust, Atemwegs- und Atemproblemen. Diese SOP legt die Prioritäten bei der Versorgung fest.

Lage und Eigenschutz

  1. Einsatzstelle absichern lassen, Gefahren erkennen.
  2. Unfallmechanismus erfassen (Geschwindigkeit, Sturzhöhe, Einklemmung, Fahrzeugdeformierung).
  3. Früh nachfordern: Notarzt, ggf. Rettungshubschrauber, Feuerwehr zur technischen Rettung.

cABCDE

c – Kritische Blutung

  1. Direkter, kräftiger Druck auf die Wunde.
  2. Druckverband, bei tiefen Wunden mit Wundpacking (ggf. Hämostyptikum).
  3. Tourniquet bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein, die sich anders nicht stoppen lässt:
    • eine Handbreit oberhalb der Wunde, nicht über einem Gelenk
    • so fest anziehen, bis die Blutung steht
    • Uhrzeit notieren und gut sichtbar dokumentieren
    • reicht eines nicht aus: zweites Tourniquet direkt oberhalb

Achtung

Ein angelegtes Tourniquet wird im Rettungsdienst nicht wieder gelockert.

A – Atemweg mit HWS-Schutz

  • Atemweg freimachen und sichern, manuelle Stabilisierung der Halswirbelsäule bei Verdacht

B – Belüftung

  • Spannungspneumothorax erkennen (Atemnot, fehlendes Atemgeräusch, Schock, gestaute Halsvenen) → sofortige Entlastung durch Notarzt bzw. nach Freigabe

C – Kreislauf

  • Blutungsquellen: Thorax, Bauch, Becken, Oberschenkel
  • Bei Verdacht auf Beckenverletzung: Beckenschlinge anlegen – das Becken nicht auf Stabilität prüfen („federn“)
  • Zwei großlumige Zugänge, zurückhaltende Volumengabe
  • Tranexamsäure 1 g i.v. nach Anordnung, möglichst innerhalb von 3 Stunden nach dem Trauma
SituationZiel-Blutdruck systolisch
Blutung ohne Schädel-Hirn-Trauma80–90 mmHg (permissive Hypotension)
mit Schädel-Hirn-Trauma≥ 110 mmHg

D – Neurologie

  • GCS, Pupillen, Motorik und Sensibilität der Extremitäten

E – Entkleiden und Wärmeerhalt

  • Bodycheck, danach sofort zudecken
  • Rettungswagen vorheizen

Merke: Tödliche Trias

Unterkühlung, Übersäuerung und Gerinnungsstörung verstärken sich gegenseitig. Wärmeerhalt ist eine lebensrettende Maßnahme.

Immobilisation

  • Nur bei entsprechender Indikation und angepasst an die Lage
  • Schaufeltrage zum Umlagern, Vakuummatratze für den Transport
  • Das Spineboard dient nur der Rettung, nicht dem Transport

Zeitmanagement und Zielklinik

  • Bei kritischen Patienten: Zeit vor Ort so kurz wie möglich, Maßnahmen ggf. während des Transports
  • Zielklinik: Traumazentrum nach regionalem Traumanetzwerk
  • Schockraum-Voranmeldung nach MIST:
BuchstabeInhalt
M – MechanismUnfallmechanismus
I – Injuriesfestgestellte und vermutete Verletzungen
S – SignsVitalparameter, GCS
T – Treatmentdurchgeführte Maßnahmen, Ankunftszeit

Schulungsunterlage. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Leitlinien sowie die Vorgaben der ärztlichen Leitung. Medikamentengaben nur im Rahmen der freigegebenen Kompetenzen bzw. auf ärztliche Anordnung.

Stichwörter: Trauma, cABCDE, Tourniquet, Beckenschlinge, Schockraum, MIST, permissive Hypotension, Wärmeerhalt