SOP-RD-002 Freigegeben

Reanimation Erwachsener (ALS)

Ablauf der erweiterten Reanimation beim Erwachsenen im Team – von der Thoraxkompression bis zur Versorgung nach ROSC.

Kategorie
Reanimation
Zielgruppe
RS, NotSan, NA
Version
1.0
Stand
Verantwortlich
Ausbildungsleitung
Inhalt dieser SOP
  1. Ziel und Geltungsbereich
  2. Erkennen
  3. Teamrollen
  4. Thoraxkompressionen
  5. Ablauf: Zyklus alle 2 Minuten
  6. Medikamente
  7. Atemweg und Beatmung
  8. Reversible Ursachen: 4 H und HITS
  9. Nach ROSC

Ziel und Geltungsbereich

Einheitlicher, leitlinienorientierter Ablauf der Reanimation beim Erwachsenen (orientiert an den Leitlinien des European Resuscitation Council). Ziel sind hochwertige Thoraxkompressionen mit minimalen Unterbrechungen und die frühe Defibrillation.

Erkennen

  1. Patient ist nicht ansprechbar und hat keine normale Atmung (Schnappatmung zählt nicht als normale Atmung).
  2. Sofort mit Thoraxkompressionen beginnen, parallel Notarzt nachfordern.
  3. Defibrillator / AED holen lassen und sofort anschließen.

Teamrollen

RolleAufgaben
TeamleitungÜberblick, Zeitmanagement, Rhythmusanalyse, Medikamente anordnen
KompressionThoraxkompressionen, Wechsel alle 2 Minuten
AtemwegBeatmung, Atemwegssicherung, Kapnografie
Zugang / Medikamentei.v.- oder i.o.-Zugang, Medikamentengabe, Dokumentation

Tipp: Closed-Loop-Kommunikation

Anweisungen klar an eine Person richten und zurückmelden lassen: „Adrenalin 1 mg i.v.“ → „1 mg Adrenalin i.v. ist gegeben.“

Thoraxkompressionen

  • Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs (untere Hälfte des Brustbeins)
  • Tiefe 5–6 cm, Frequenz 100–120 /min
  • Vollständige Entlastung nach jeder Kompression
  • Verhältnis 30 : 2, bis der Atemweg gesichert ist – danach durchgehende Kompressionen und 10 Beatmungen pro Minute
  • Unterbrechungen nur für Rhythmusanalyse und Schockabgabe, so kurz wie möglich (< 5 s)

Ablauf: Zyklus alle 2 Minuten

  1. Rhythmusanalyse – Kompressionen nur dafür kurz unterbrechen.
  2. Schockbarer Rhythmus (Kammerflimmern / pulslose VT): Kompressionen während des Ladens fortsetzen, alle weg vom Patienten, Schock abgeben, sofort 2 Minuten CPR.
  3. Nicht schockbarer Rhythmus (Asystolie / PEA): sofort 2 Minuten CPR fortsetzen.
  4. Bei jeder Analyse den Kompressionshelfer wechseln.
  5. Währenddessen: Zugang, Atemwegssicherung, reversible Ursachen abarbeiten.

Medikamente

MedikamentDosisZeitpunkt
Adrenalin1 mg i.v. / i.o.nicht schockbar: so früh wie möglich; schockbar: nach dem 3. Schock; dann alle 3–5 min
Amiodaron300 mg i.v. / i.o.nach dem 3. Schock
Amiodaron150 mg i.v. / i.o.nach dem 5. Schock

Achtung

Medikamentengabe nur im Rahmen der freigegebenen Kompetenzen bzw. auf ärztliche Anordnung. Zugang zuerst intravenös, wenn nicht schnell möglich intraossär.

Atemweg und Beatmung

  • Beutel-Masken-Beatmung mit 100 % Sauerstoff
  • Supraglottische Atemwegshilfe (z. B. Larynxtubus), endotracheale Intubation nur durch Erfahrene
  • Kapnografie bei jeder Atemwegssicherung: Lagekontrolle, Qualität der CPR, Hinweis auf ROSC (plötzlicher Anstieg des etCO₂)

Reversible Ursachen: 4 H und HITS

4 HHITS
HypoxieHerzbeuteltamponade
HypovolämieIntoxikation
Hypo-/Hyperkaliämie, metabolischThrombose (koronar oder pulmonal)
HypothermieSpannungspneumothorax

Nach ROSC

  1. Erneute Beurteilung nach ABCDE.
  2. SpO₂ 94–98 %, Normoventilation: etCO₂ 35–45 mmHg.
  3. Blutdruck systolisch > 100 mmHg (MAD ≥ 65 mmHg) anstreben.
  4. 12-Kanal-EKG schreiben.
  5. Transport in ein geeignetes Zentrum (Herzkatheter, Intensivstation), Voranmeldung.

Merke

Die Qualität der Thoraxkompressionen entscheidet. Jede Pause ohne Kompression senkt die Überlebenschance.

Schulungsunterlage. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Leitlinien sowie die Vorgaben der ärztlichen Leitung. Medikamentengaben nur im Rahmen der freigegebenen Kompetenzen bzw. auf ärztliche Anordnung.

Stichwörter: CPR, ALS, Defibrillation, Herz-Kreislauf-Stillstand, Adrenalin, Amiodaron, ROSC, 4H HITS